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Mirko Gerhold, Leiter DCM Bonds Solutions bei der Commerzbank, erläutert die Entwicklung und die Vorteile des Green Bond Segments.

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Mich interessiert, was aus Ihrer Sicht die Hauptvorteile für Emittenten und Investoren von Green Bonds sind?

Viele Investoren verfolgen heutzutage eine ESG-Strategie (Economic, Social, Governance), die ökologische, soziale und Governance-Kriterien einbezieht, oder sie steuern zweckbestimmte Portfolios, die bestimmte sozial nachhaltige Anlagekriterien (SRI) erfüllen. Mit einem Green Bond erhalten Anleger unmittelbaren Zugriff auf eine umweltfreundliche Anlage, deren Investitionsziele transparent und nachvollziehbar sind.

Emittenten können von der zusätzlichen Nachfrage durch Green Bonds profitieren – zudem können sie ihre Anlegerbasis mit einem Green Bond diversifizieren und öffentlich ihr Engagement zur Nachhaltigkeit aufzeigen.

Intern bieten Green Bonds Emittenten einen wertvollen Lernprozess, da sie die Finanzierung des Projekts ebenso verfolgen müssen wie ihre eigene ESG-Performance. Emittenten werden ermutigt, über den Einfluss der jeweiligen Finanzierung zu berichten, was ihnen wiederum erlaubt, ihre eigene ESG-Performance mit der anderer Unternehmen zu vergleichen. Letzten Endes unterstützt die Emission von Green Bonds Organisationen dabei, ihre eigene Umwelteffizienz und -verträglichkeit im Detail zu untersuchen. Und wenn das am Ende dazu führt, dass ein Unternehmen seine Energie- und Wasserversorgung effizienter gestaltet und Geld spart, ist das sicherlich ein positiver Aspekt.

Erwartungen zufolge wird sich 2016 zu einem weiteren Rekordjahr für die Emission von Green Bonds entwickeln. Auf welche wichtigen Trends sollten wir uns mit Blick auf die nächsten zwei bis drei Jahre einstellen?

Es wird eine weitere Diversifizierung über Sektoren und Regionen hinweg geben. Ich denke, wir werden eine deutlich verstärkte Emissionstätigkeit vor allem aus Asien, aber auch aus Europa und den USA beobachten können. Gleichzeitig erwarte ich, dass viele Investoren ihren Nachhaltigkeitsfokus erweitern und zusätzliche Portfolios für Investitionen im Green Bond-Markt aufsetzen werden.

Nicht nur steigen die Emissionsvolumina – es finden derzeit bedeutende qualitative Entwicklungen statt, die dazu beitragen, dass sich Green Bonds als eigene Assetklasse weiter etablieren. Beispiele sind die Weiterentwicklung des Impact Reportings, die Verbesserung der Green Bond Principles (GBP) und die Etablierung von Marktindizes. Ab einem bestimmten Punkt dürfte sich das Wachstum beschleunigen und zwar dann, wenn alle verschiedenen Initiativen beginnen, in dieselbe Richtung zu wirken.

Entwicklung

Wie kam es eigentlich dazu? Wie ist der Green Bond Markt entstanden und wie hat er sich weiterentwickelt?

Die erste als „Green Bond“ bezeichnete Transaktion war der „Climate Awareness Bond“, den die Europäische Investitionsbank 2007 zur Finanzierung von Klimaschutzprojekten auflegte. Die EIB war der Vorreiter in diesem Markt und ist auch heute noch die größte Emittentin von Green Bonds.

Für die nächsten fünf Jahre war der Markt auf SSA-Emittenten (sovereign, supranational, agency) beschränkt. 2012 sahen wir die erste Emission aus dem Unternehmenssektor und 2013 betraten auch die Banken den Green Bond Markt, während die SSA-Emittenten inzwischen deutlich größere Transaktionen platzierten. Seitdem ist ein rasantes Wachstum über viele Sektoren, Währungen und Regionen hinweg zu verzeichnen. Im laufenden Kalenderjahr könnte ein Emissionsvolumen von über 60 Mrd. EUR (66 Mrd. USD) erreicht werden. Im Juli wurde die bis dato größte Transaktion, ein 3 Mrd. USD großer Multitranche-Green Bond der Bank of China, begeben. Der Markt ist noch sehr jung, zieht jedoch ganz eindeutig zunehmend beträchtliche Volumina an.

Was macht einen Green Bond aus?

Es gibt keine festen Regeln, die Emittenten beachten müssen – allerdings haben die Marktteilnehmer inzwischen gemeinsame Leitlinien entwickelt. So wurden 2014 die Green Bond Principles (GBP) eingeführt, um einen freiwilligen Standard für die Ausgestaltung und den Emissionsprozess von Green Bonds zu verankern.

Nach den GBP-Leitlinien sind Green Bonds Anleiheinstrumente, deren Emissionserlöse ausschließlich zur teilweisen oder vollständigen (Re-)Finanzierung neuer und/oder bereits bestehender „grüner Projekte“ verwendet werden. Bei der Ausgabe sollen die vier Kernkomponenten der GBP – Mittelverwendung, Projektbewertung und -auswahl, Mittelverwaltung und Berichterstattung – beachtet werden.

Mehr als 100 Mitglieder unterstützen die GBP – unter ihnen Emittenten, Anleger und Underwriter. Die Commerzbank hat hierzu eine Investorenbefragung durchgeführt, mit einem klaren Ergebnis: Für zwei Drittel aller Anleger ist die Einhaltung der GBP eine Mindestanforderung, damit sie in den jeweiligen Green Bond bzw. eine nachhaltige Anleihe investieren. In anderen Worten: Auch wenn es momentan noch keine rechtliche Definition von Green Bonds gibt, entwickeln sich weithin anerkannte Rahmenbedingungen.

Marktumfang

Welche Aktivitäten werden durch den Sektor finanziell unterstützt?

Es gibt sehr viele Projekte, die unterstützt werden können. In den Green Bond Principles werden neun verschiedene Beispiele für Kategorien infrage kommender Projekte genannt. Sie umfassen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, die Vermeidung von Luftverschmutzung, nachhaltiges Management lebender natürlicher Ressourcen, den Erhalt der Biodiversität, saubere Mobilität, nachhaltige Wasserbewirtschaftung, Anpassung an den Klimawandel und ökoeffiziente Produkte und Technologien.

Neben Green Bonds beobachten wir auch die Emission „sozialer“ Anleihen, deren Erlöse der Finanzierung bzw. Refinanzierung sozialer Projekte zugute kommen. Hierzu zählen beispielsweise Kreditportfolios für den sozialen Wohnungsbau. Im Rahmen der Aktualisierung der Green Bond Principles wurde dieses Jahr eine Empfehlung veröffentlicht, die Anwendung der GBP auch auf soziale Anleihen auszuweiten.

Die Quantifizierung des Einflusses von Green Bond-finanzierten Projekten ist sehr stark in den Mittelpunkt gerückt, richtig?

Absolut. Das Impact Reporting – also die Bewertung der Auswirkungen von Green Bond-finanzierten Projekten auf die Umwelt und die Gesellschaft – ist sowohl für Emittenten als auch für Anleger ein wichtiges Thema. Es stellt sich dennoch weiterhin die Frage, welche Berichterstattungsstandards und -vorschriften angewendet werden sollten.

Ein größerer Emittent, der häufiger Green Bonds platziert, verfügt in der Regel über die notwendigen Ressourcen für eine umfassende Berichterstattung. Aber was ist mit kleineren Emittenten, die einmalig einen Green Bond begeben? Zwei so unterschiedlichen Emittenten kann man nicht dieselben Anforderungen an ihre Berichterstattung im Rahmen des Impact Reportings auferlegen.

Ziel der GBP ist es daher, einen Rahmen zu schaffen, der Emittenten zum Impact Reporting ermutigt – aber nur, soweit dies machbar ist. In anderen Worten: Die Leitlinien sollten nicht so streng sein, dass sie kleinere Emittenten von einem Markteintritt abhalten. So lässt sich hoffentlich eine für alle akzeptable Lösung schaffen, die eine aussagekräftige Einschätzung bezüglich des Erreichens der Finanzierungsziele von Green Bonds und deren Beitrag zu Nachhaltigkeit ermöglicht.

Details zu Green Bonds

Hinsichtlich ihrer Struktur sind Green Bonds normalen Anleihen meistens sehr ähnlich, was Laufzeit, Kupons oder Ratings angeht. Glauben Sie, dass das so bleiben wird?

Ja, bei den sogenannten Green „Use of Proceeds“ Bonds wird das der Fall sein. Zur Erklärung: Die Green Bonds Principles unterscheiden zwischen vier verschiedenen Green Bond-Strukturen, u. a. den Green Project Bonds oder den Green Securitised Bonds, bei denen die Bonität der Anleihe unmittelbar an den Cashflow eines zugrunde liegenden Projekts gekoppelt ist.

„Use of Proceeds“ Bonds – die Art von Green Bonds, auf die das jüngst rasante Wachstum im Sektor zurückzuführen ist – sind jedoch ganz normale Schuldverschreibungen, was bedeutet, dass für ihre Emission dieselben Anforderungen gelten wie für normale Anleihen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Emittent erklärt, dass er die Erlöse der Anleihe für die Finanzierung oder Refinanzierung bestimmter grüner Projekte verwenden wird.

Damit ist auch die Konditionsgestaltung ähnlich?

Ja. Das liegt daran, dass das Rating eines Green „Use of Proceeds“ Bonds dem einer normalen Anleihe desselben Emittenten gleicht. Zudem wird ein Green Bond bei Anlegern platziert, die auch sonst in festverzinsliche Papiere investieren. Nicht für alle diese Anleger stehen ökologische, soziale und Governance-Kriterien (ESG) im Vordergrund. Infolgedessen werden Green Bonds bislang noch nicht besser bewertet als normale Anleihen. In manchen Fällen konnten Emittenten jedoch von einem geringeren Neuemissionsaufschlag profitieren. Einigen Emittenten, die wiederholt Green Bonds begeben haben, ist es gelungen, eine „grüne Kurve“ unterhalb ihrer normalen Sekundärmarktkurve aufzubauen. Es wird interessant sein zu sehen, ob in Zukunft weitere Unterschiede im Pricing auftreten und ob die höhere Nachfrage nach der Ausgabe von Green Bonds zu niedrigeren Spreads führt.

Ruft eine als Green Bond bezeichnete Anleihe so viel mehr Interesse am Markt hervor, dass sich der zusätzliche Aufwand für die Emission (Einholen einer zweiten Meinung, Berichterstattung zur Mittelverwendung, Impact Reporting, usw.) lohnt?

Das kommt darauf an. Natürlich verursacht die Emission von Green Bonds Mehraufwand. Es ist beispielsweise, wie Sie schon erwähnt haben, inzwischen Marktstandard, eine unabhängige Ratingagentur mit Erfahrung im ESG-Bereich um eine zweite Meinung (Second Party Opinion) zu bitten. Aus reiner Kostensicht ist das jedoch nicht besonders teuer. Je nach Art des Projekts und der Agentur, mit der Sie arbeiten, kostet das Einholen einer zweiten Meinung zwischen 20.000 EUR und 50.000 EUR. Im Vergleich zu den anderen externen Kosten, die normalerweise für einen Anleiheemittenten entstehen, ist das nicht sehr viel.

Aber ja, Sie haben Recht – die Einrichtung interner Prozesse und die Berichterstattung über die gesamte Laufzeit eines Green Bonds bedeuten Mehrarbeit. Ich denke, es handelt sich hier um eine strategische Entscheidung, bei der ein Emittent sich entscheiden muss, ob er diese Verpflichtung eingehen will oder nicht. Einige Emittenten sind der Meinung, dass Green Bonds nur begrenzt Vorteile bringen, da ihre Emission momentan noch keinen wirklichen Kostenvorteil schafft. Für viele andere Emittenten hingegen sind Green Bonds ein leistungsfähiges Instrument, das sehr gut in ihre Nachhaltigkeitsstrategie passt, das Umweltbewusstsein und die Umweltperformance des Unternehmens verbessert sowie eine Diversifizierung der Anlegerbasis ermöglicht.

Zukünftige Dimensionen

Sie haben prognostiziert, dass das Emissionsvolumen dieses Jahr 60 Mrd. EUR (66 Mrd. USD) überschreiten könnte. Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung dieses Marktes ein?

Bedenken Sie bitte zunächst, dass es immer seine Zeit dauert, bis sich ein neuer Markt entwickelt. Dabei sind die Wachstumsraten bei Green Bonds über alle Sektoren, Regionen und Währungen hinweg bereits sehr eindrucksvoll.

Außerdem kann man einen Markt auf verschiedene Art und Weise unterstützen – beispielsweise durch finanzielle Anreize für Green Bonds, mit denen diese günstiger werden. So wird in China derzeit an steuerlichen Vorteilen für Green Bonds gearbeitet.

Alternativ können Regierungen durch die Einführung zusätzlicher Regulierungsmaßnahmen versuchen, den Markt für Green Bonds auszuweiten. In Frankreich sind institutionelle Anleger beispielsweise inzwischen dazu verpflichtet, über die Umweltverträglichkeit und Kohlenstoffbelastung ihrer Investitionen Bericht zu erstatten. Dies könnte sich als zusätzlicher Katalysator für den Markt erweisen.

Aber es geht hier nicht nur um Größe und Wachstum; wir müssen auch auf die tatsächliche Verwendung der Mittel achten. Zur Verwirklichung von politischen Klimaschutzzielen könnte es zum Beispiel förderlich sein, zusätzliche Anreize zu schaffen, um die Erlöse in die Richtung der Projekte zu leiten, die am meisten zum Erreichen dieser Ziele beitragen können.

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