10 points about DCM markets for CFOs

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Reinhard Haas, Head DCM Loans

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Peter Schikaneder, Head of Origination - International Corporates, DCM Bonds

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10 Dinge über Fremdkapitalmärkte, die jeder CFO berücksichtigen sollte

Über die vielen Jahre, in denen wir in den Fremdkapitalmärkten aktiv sind haben wir viele Mythen und Halbwahrheiten über die „richtige“ Fundingstrategie für Unternehmen gehört. Es gibt jedoch „goldene Regeln“, die es für Kunden in diesen Märkten wert sind, berücksichtigt zu werden. Nachfolgend haben wir die Top 10 dieser Regeln zusammengetragen und hoffen, dass sie den Entscheidungsträgern in den Unternehmen bei ihrer Fundingstrategie helfen mögen.

1. Eine gute Credit-Story ist genauso bedeutend für die Funding-Kosten wie Finanzkennzahlen.

Viele Finanzabteilungen fokussieren sich primär auf gute Zahlen und Finanzparameter bei der Verhandlung ihrer Fremdkapitaltransaktionen. Weitaus weniger Zeit und Energie wird oft für die Entwicklung einer überzeugenden Credit-Story verwendet. Dabei ist es häufig so, dass die Preisdifferenz für Transaktionen zweier Kreditnehmer mit gleicher Bonität dadurch entsteht, dass einer von beiden eine bessere Credit-Story vorweisen kann.

Um das bestmögliche Pricing zu erzielen und die höchste Marktliquidität zu mobilisieren kann ein Kreditnehmer nicht klar genug auf den Finanzierungszweck und die damit verbundene Finanzierungsstrategie hinweisen. Bei einer Übernahmefinanzierung ist es entscheidend, die Strategie des betreffenden Unternehmens klar zu formulieren. Je detaillierter die Strategie kommuniziert wird, desto besser sind die Voraussetzungen für die Platzierung der Finanzierung. Schließlich sind Übernahmen inhärent riskant.

2. Wählen Sie ihre Bank so aus, dass sie zu Ihrer Transaktion passt

Um die Fremdkapitalmärkte erfolgreich für sich zu nutzen, ist es empfehlenswert mit erfahrenen Bankpartnern, mit entsprechendem Track-Record, zu arbeiten. Natürlich kann es auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, schlicht dem offensivsten und günstigsten Angebot nachzugehen. Sollte dies allerdings deutlich aus der Reihe fallen, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Marktfähigkeit der Transaktion nicht gegeben ist entsprechend hoch.

Genauso wichtig ist es darauf zu achten, dass man mit Banken zusammenarbeitet, die zum Unternehmen passen. Ein mittelständisches Unternehmen ist gut beraten mit Banken zu kooperieren, für die dieses Kundensegment auch im Fokus steht.

3. Die Transparenz Ihres Unternehmens wirkt sich auf Ihr Pricing aus

Für das erfolgreiche Platzieren von Krediten oder Anleihen ist ein hohes Maß an Transparenz des Kreditnehmers sehr zuträglich. Umgekehrt trifft das ebenso zu. Gerade für kleinere Firmen oder Familienunternehmen stellt die Transparenz eine große Herausforderung dar. Dennoch bleibt festzuhalten: wenn die Finanzbuchhaltung es ermöglicht in transparenter Form quartalsweise Rechenschaft über den Geschäftsverlauf abzulegen, wird ein Unternehmen eine deutlich bessere Verhandlungsposition bei der Fremdkapitalaufnahme haben.

Ähnlich verhält es sich mit Planzahlen. Wenn durch gut aufbereitete Planzahlen die zukünftige Ertragskraft eines Unternehmens verdeutlicht und damit die Entschuldungsfähigkeit glaubhaft gemacht werden kann, hat man einen eindeutigen Vorteil bei der Preisverhandlung. Verfügt ein Unternehmen, welches eine Anleihe begeben will, über ein öffentliches Rating der großen drei Agenturen, lässt es sich von Investoren schnell und einfach mit anderen Kreditnehmern im Markt vergleichen. Ein gutes Rating verschafft daher einen Preis- und Liquiditätsvorteil der nicht zu vernachlässigen ist. Für Bankenkredite steht dies nicht so sehr im Fokus, da jede Bank angehalten ist, die Bonität des Kreditnehmers eigenständig zu ermitteln. Hier dient das öffentliche Rating eher der Verifizierung der eigenen Einschätzung der Banken.

4. Es gibt keine „falsche“ Bonität sondern für jede Bonität die passende Finanzierung

Auch Unternehmen, deren Bonität sich deutlich im Sub-Investment Grade bewegt, oder die sich in einer besonders schwierigen Phase ihrer Entwicklung befinden, gibt es Finanzierungslösungen die entweder Anleihe- oder Kreditcharakter haben können. Gerade für diese Unternehmen sollten Finanzierungslösungen maßgeschneidert werden um die besonderen Bedürfnisse die sich aus der wirtschaftlichen Situation ergeben, adäquat zu erfüllen. Vor allem sollte die Bedienbarkeit der Finanzierung ausreichend gesichert sein, die Platzierung aber auch das Schutzbedürfnis der Kreditgeber durch entsprechende Vertragsabsprachen gewährleistet sein.

Ist Wohlwollen auf Kreditnehmer- und Kreditgeberseite vorhanden, dann gibt es so gut wie immer einen Weg zu einer Finanzierungslösung zu kommen und diese bei den Investoren entsprechend zu platzieren. Auch hier gilt, dass das Unternehmen eine erfahrene und geeignete Bank als Partner mit der Umsetzung beauftragen sollte.

5. Gute Investor Relations helfen nicht nur auf der Eigenkapitalseite, sondern auch beim Fremdkapital

Börsennotierte Unternehmen befassen sich oft sehr intensiv mit der Kontaktpflege der Aktionäre. Eine ebenso intensive Pflege der Fremdkapitalinvestoren ist dagegen weniger häufig zu beobachten. Dies ist insofern erstaunlich, als dass der Anteil an Fremdkapital oftmals einen ganz erheblichen Teil der Unternehmensfinanzierung ausmacht, der den der Eigenkapitalfinanzierung mitunter deutlich übersteigt. Wenn sich ein regelmäßiger Emittent an den Anleihemärkten in einer Phase der strategischen Neuausrichtung befindet, oder sich plötzlich besonderen Herausforderungen des Marktes ausgesetzt sieht, ist es wichtig einen offenen Dialog mit den Kreditgebern zu führen. Besuchen sie Bondinvestoren, halten Sie diese informiert und Sie werden sich ein „Vertrauenskapital“ erarbeiten, dass Ihnen bei der nächsten Emission helfen wird. Lassen Sie sich auch von Ihren Kreditgebern wiederspiegeln, wie diese Ihr Unternehmen einschätzen und berücksichtigen Sie dies bei Ihren Entscheidungen.

6. Einte Strategie ist wichtig, aber manchmal ist die Taktik noch entscheidender

Wir sehen zahlreiche Unternehmen die viel an ihrer Finanzierungsstrategie arbeiten, um so den besten Zeitpunkt, die ideale Währung, Laufzeit und Platzierungsart für ihre Emissionen zu definieren. In sehr volatilen Märkten allerdings, kann es mitunter wesentlich bedeutsamer sein, Marktfenster zu nutzen solange diese offen sind. Oft ist dann nicht der Zeitpunkt des attraktivsten Zins-Spreads, oder der optimalen Laufzeit entscheidend. In einem solchen Umfeld kann es eine wichtige taktische Überlegung sein, Funding dann sicherzustellen, wenn es am Markt verfügbar ist.

7. Flexibilität ist das Hauptargument für einen Kredit im Vergleich zur Anleihe

Es gibt immerwährende Diskussionen über das Für und Wider eines Kredites im Vergleich zu einer Anleihe. Der zentrale Unterschied für ein Unternehmen bei der Entscheidung über das richtige Produkt ist allerdings weniger Pricing oder Laufzeit, sondern die Anforderungen an die Flexibilität der Schuldenaufnahme.

Eine Anleihe wird während ihrer Laufzeit so gut wie keinen vertraglichen Anpassungen unterzogen, was auch vorteilhaft sein kann. Die frühzeitige Refinanzierung ist zwar möglich, kann aber recht kostspielig werden. Bei einem Kredit dagegen, sind vertragliche Adjustierungen während der Laufzeit durchaus schnell und flexibel verhandelbar. Solche Änderungen können sich auch auf die Laufzeit, Rückzahlungsmodalitäten oder sogar das Kreditvolumen beziehen. Dem Unternehmen ist es so möglich, etwa auf veränderte Bedürfnisse aufgrund des Geschäftsverlaufes (positiv oder negativ) zu reagieren. Betrachten Sie daher einen Konsortialkredit als ein „lebendiges“ Finanzierungsinstrument, welches Sie an Ihre Bedürfnisse anpassen können.

8. Betrachten Sie Ihre Fundinginstrumente nie auf isolierter Basis

Fremdkapitalprodukte unterscheiden sich in ihrer Ausgestaltung; der Kreditmarkt steht traditionell für Laufzeiten von 3 bis 5 Jahren zur Verfügung und bietet dabei ein Höchstmaß an Ausgestaltungsspielräumen über die gesamte Laufzeit hinweg. Anleihen sind attraktiv für Unternehmen, die besonders hohe Volumina an Fremdkapital benötigen. Laufzeiten von 5, 10 oder mehr Jahren sind möglich. Die Charakteristika beider Instrumente sind daher weitgehend komplementär und in diesem Sinne ergänzen sie sich mehr als dass sie sich kannibalisieren.

Die effektivste Finanzierungslösung für ein Unternehmen wird größtenteils dann erreicht, wenn man einen ganzheitlichen Blick auf verfügbare Finanzierungsinstrumente einnimmt (z.B. neben Anleihen und Konsortialkrediten auch bilaterale Kreditformen, Hybridkapital und Eigenkapital) und man deren Eigenschaften mit den Bedürfnissen des Unternehmens z.B. an Laufzeit, zukünftige Ertragskraft, den erwarteten Verschuldungsgrad und die Ratingentwicklung, abgleicht.

Dabei sollte man beachten, dass jede neue Finanzierungstransaktion für das Unternehmen auch mit Konsequenzen verbunden ist. Neuverschuldung erhöht den Verschuldungsgrad, schöpft Liquidität ab, die für den Schuldendienst gebraucht wird und wiegt auf die Ratingeinschätzung von Agenturen oder Banken. Frisches Eigenkapital verwässert die Altaktionäre und deren Kontrollmöglichkeiten und das Ausschöpfen von Kreditlinien verringert die verfügbare Reserveliquidität. Bei der ganzheitlichen Betrachtung der Unternehmensfinanzierung ist es einfacher sicherzustellen, dass ein ausgewogenes Kosten-Nutzen Verhältnis gewahrt wird und keinerlei Silodenken oder Partikularinteressen im Unternehmen zu Verzerrungen führen.

9. Finanzierende Banken sollten auch Relationship-Banken sein

Es gibt immer wieder Berichte in der Presse über die Herausforderungen an Banken, die durch sogenannte „Fintechs“ oder „Schattenbanken“ entsteht und die auch bei der Finanzierung eine potentielle Alternative zu traditionellen Kreditgebern darstellen könnten. Während diese Herausforderer sich möglicherweise über besonders aggressive Angebote zu positionieren versuchen, ist es fraglich, ob diese Geschäftsmodelle geeignet sind einem Unternehmen eine vertrauensvolle Kundenbeziehung und maßgeschneiderten und verlässlichen Service anzubieten.

Ein Finanzierungspartner bietet weitaus mehr als die technische Umsetzung einer Transaktion. Finanzierungspartner können gemeinsam mit dem Unternehmen auf deren sehr individuelle Bedürfnisse eingehen, sich auf plötzliche Veränderungen einstellen, planen und reagieren. Ein sehr maßgeblicher Anteil des Konsortialkreditvolumens, beispielsweise, ist in Form von revolvierenden Kreditlinien strukturiert, die es dem Unternehmen ermöglichen, Ziehungen Inanspruchnahmen den ständig wechselnden, aktuellen Bedürfnissen anzupassen. Jedes neue Geschäftsmodell, welches Kreditvergabe lediglich in Form einfacher Darlehensvergabe vorsieht, wird es daher schwer haben, substantielle Marktanteile zu generieren.

Die Unternehmensfinanzierung basiert in den allermeisten Fällen auf einer Dauerbeziehung zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber. Banken, die von dieser Art der Geschäftsbeziehung leben und die ihre Kunden durch den Zyklus begleiten, wird es daher unserer Ansicht nach auch in Zukunft weiterhin geben.

10. Verschaffen Sie sich Übersicht

Ein Unternehmen kann der Versuchung erliegen, sich aus Zeiteffizienzüberlegungen für Finanzierungsinstrumente nur von wenigen Quellen Angebote einzuholen. Zu eng sollte man die Zahl der Partnerbanken allerdings nicht eingrenzen, sondern versuchen aus der Summe der unterschiedlichen Sichtweisen eine eigene zu generieren. Hierdurch kann vermieden werden, dass bestimmte Aspekte die Einfluss auf eine Emission haben, übersehen oder unterbetont werden.

Vermittelt eine Bank den Eindruck mehr an einem Geschäftsabschluss als an der perfekten Umsetzung einer Transaktion interessiert zu sein, sollte man sich fragen, ob es der richtige Partner ist. Als zahlender Kunde sollten Sie stetes das Gefühl vermittelt bekommen, dass Ihre Interessen im Mittelpunkt aller Bemühungen Ihrer Finanzierungspartner stehen und nicht, dass Sie ein bloßer Bestanteil eines Prozesses werden.

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